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PERU

Expedition

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Alpamayo - French direct

Welcher ist der schönste Berg der Erde? Verleiht man diesen Titel, muss das nicht unbedingt positive Auswirkungen für den glücklichen Gewinner haben. Inzwischen ist es bereits einige Jahre her, dass 1966 das Magazin ALPIN dem Alpamayo diesen Titel verliehen hat. Steht man aber vor diesem Paradebeispiel eines idealen Berges, wie ihn nur ein Kind zeichnen würde, kann man die Wahl sofort verstehen. Als perfekt geformte Pyramide, mit extrem steilen Schneeflanken auf jeder Seite erhebt sich dieser Alpamayo im hintersten Teil des Santa Cruz Tales. Nur über einen langen mehrtägigen Fußmarsch im nördlichen Teil der Cordillera Blanca in Peru zu erreichen. Eine Besteigung gibt es nicht einfach im Vorbeigehen. Ordentliche Akklimatisierung, gutes alpinistisches Können und eine Portion Glück mit dem Wetter sowie den Bedingungen in der Route sind essenziell um einmal ganz oben zu stehen auf dem vielleicht wirklich „schönsten Berg der Welt“. Genau das ist unser Ziel.

Huaraz die Hauptstadt der Alpinisten

Es ist Juni, von München aus fliegen wir über Paris nach Südamerika. Lima, die Hauptstadt Perus liegt direkt auf Meereshöhe. In einem Nachtbus verlassen wir das chaotische Treiben der Millionenmetropole und fahren Richtung Norden. Bevor wir Huaraz am nächsten Morgen erreichen, gelangen wir bereits zum ersten Mal über die 4.000 Meter Marke. Die Punta Callán liegt auf 4.200 – irgendwann in der Nacht überqueren wir diesen Pass ganz unspektakulär und beginnen so bereits im Schlaf mit unserer Akklimatisierung. Sehr praktisch. Auf diesen Höhen kommen auch Fahrzeuge an ihre Grenzen und die Leistung des Busses lässt merklich nach. Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was wir früher als gedacht auch am eigenen Leib noch spüren werden. Nämlich direkt bei unserer Ankunft im Hotel in Huaraz. Beim Hochschleppen der Reisetasche auf unser Zimmer im 3. Stock geraten wir gleich zum ersten Mal ordentlich aus der Puste. Dabei befinden wir uns gerademal auf halber Höhe unserer angepeilten Gipfel.

Zunächst verbringen wir jedoch einige Tage in Huaraz. Die Hauptstadt für Alpinisten und Bergsteiger welche einen der zahlreichen Gipfel der Cordillera Blanca besteigen möchten. Hier bekommt man alles. Ausrüstung für die anstehenden Touren, Guides, Köche und Träger die man anheuern kann sowie Verpflegung und Kontakte für den Transport zu den Ausgangspunkten. Doch auch sonst hat die rund 60.000 Einwohner zählende Stadt einiges zu bieten. Auf dem Markt gibt es jede Menge frisches Obst, Gemüse und Meerschweinchen. Die Nager findet man auch abends auf den Speisekarten vieler Restaurants in der Stadt als „Cuy“ wieder – ein typisches und beliebtes Gericht der Andenregion. Doch irgendwie wirkt vieles in der Stadt noch im Bau und nicht wirklich fertig. Nach kurzer Recherche finden wir auch einen möglichen Grund dafür: Die Stadt sowie die umliegenden Dörfer haben in der jüngeren Vergangenheit 3 schwere Katastrophen erlebt. 1941 stürzte ein Eisturm in den Palcacocha-See welcher in der Folge überlief und große Teile von Huaraz unter einer Schlammlawine begrub. 7.000 Menschen starben. 1962 ereignete sich erneut ein gewaltiger Eisabbruch, diesmal an der Nordflanke des Huascaran, dem mit 6.768 Metern höchsten Berg Perus. Erneut starben knapp 4.000 Menschen unter den Schnee-, Eis- und Geröllmassen. Es gab damals bereits Warnungen, dass ein wesentlich größerer Abbruch bevorstehen könnte. Am 31. Mai 1970 schließlich erfüllte sich diese Prophezeiung. Um 15.23 Uhr Ortszeit ereignete sich ein Erdbeben der Stärke 7.8. Die gewaltigen Eismassen die noch am Nordgipfel des Huascaran hingen lösten sich und es kam zur größten Gletscherkatastrophe die jemals registriert wurde. Die traurige Bilanz: 70.000 Menschen starben.

Jedes Mal musste die schwer getroffene Stadt neu aufgebaut werden. Umso beeindruckender ist es, dass es nach wie vor ein so pulsierendes Leben im Zentrum und den umliegenden Dörfern gibt, so als wäre nie etwas passiert. Die Menschen akzeptieren die Gefahren dieses Hochgebirges und scheinen sich mit ihnen zu arrangieren.