• andreas0102

Zinalrothorn - Rothorngrat (AD+/IV)

Abstieg: Nordgrat (AD/III)

Zinalrothorn, Rothorngrat, Nordgrat, Überschreitung, Traverse

Das Zinalrothorn ist weit über das Wallis hinaus bekannt für den angeblich besten Granit in den Westalpen. Drei Grate führen auf den Gipfel dieses atemberaubenden Hornes. Für das kühne Erscheinungsbild des Zinalrothorns ist nicht zuletzt auch die gewaltige Ostwand verantwortlich, die vom Gipfel senkrecht 800 Meter in den Hohlichtgletscher abbricht. Die drei Grate (Nordgrat, Rothorngrat sowie Kanzelgrat) werden durch den Normalweg ergänzt und bieten allesamt sehr lohnende und schöne Anstiege sowie Möglichkeiten zur Überschreitung.


Zinalrothorn, Rothorngrat, Nordgrat, Überschreitung, Traverse

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Für mich sollte es die dritte Prüfungstour (nach dem Viereselsgrat auf die Dent Blanche sowie dem Arbengrat auf das Obergabelhorn werden. Die Aufgabe lautet über den Rothorngrat auf den Gipfel und Abstieg über den Nordgrat. Damit sollte sich der Kreis nach drei absoluten Traumtouren wieder an der Mountethütte schließen.



Zinalrothorn, Rothorngrat, Nordgrat, Überschreitung, Traverse

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Nach einem ausgiebigem Frühstück auf der Rothornhütte (normalerweise über den langen Hüttenzustieg von Zermatt aus zu erreichen - 1.600 Höhenmeter und ca. 4 Stunden) geht es gemeinsam mit zahlreichen anderen Seilschaften hinaus in die dunkle Nacht. Hinter der Hütte führt ein gut ausgetretener Pfad über Geröll auf den Rothorngletscher. Hier geht es nun etwas steiler (knapp 30°) auf einen Felsriegel zu. Auf ca. 3.500 Meter beginnt ein kurzer Kamin (ca. 30 Meter - III) durch den man diesen ersten Felsriegel überwindet.



Zinalrothorn, Rothorngrat, Nordgrat, Überschreitung, Traverse

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Nun etwas links haltend über felsiges Gelände (I-II) den nun weniger ausgeprägten Pfadspuren folgen. Kürzere Felsriegel werden immer wieder durch einfaches Gehgelände im Schotter abgelöst. Früher im Jahr halten sich hier noch einige Firnfelder. Auf einer Höhe von 3.700 wird dann ein steileres Firnfeld ca. 35° unterhalb des Felsgrates gequert. Achtung vor Steinschlag aus diesem Grat - wir hatten Glück dass uns einige ordentliche Brocken nur um wenige Meter verfehlt haben. Sie sind genau auf die Aufstiegsspur abgegangen.


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Nach der Querung erreicht man ein weniger steiles Firnfeld. Doch anstatt wie beim Normalweg auf den Grat hoch zu steigen halten wir uns links und gelangen über eine recht brüchige (aber nicht schwierige) Rampe hinunter auf das tiefer liegende Gletscherbecken unterhalb der Pointe du Mountet sowie unserem Ziel, den nun wunderbar im Profil sichtbaren Rothorngrat. Wir überqueren den Gletscher im traumhaft schönen Farbenspiel der aufgehenden Sonne, die vor allem das Matterhorn in ein atemberaubendes Licht taucht.


Zinalrothorn, Rothorngrat, Nordgrat, Überschreitung, Traverse

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Durch eine weitere Rampe (II), die sich erstaunlich einfach auflöst und uns auf das Ober Rothornjoch leitet, gelangen wir zum Beginn des Rothorngrates. Bis hier hin war vom anscheinend so gewaltigen Granit am Zinalrothorn noch nichts zu spüren. Doch das wird sich nun in eindrucksvoller Manier ändern.




Zinalrothorn, Rothorngrat, Nordgrat, Überschreitung, Traverse

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In kurzweiliger und zunächst recht einfacher Kletterei geht es genussvoll dem Rothorngrat entlang. Der Fels ist nun tatsächlich etwas vom Feinsten, was man in den Westalpen finden kann. Auf der ersten Grathälfte sind mehrere Grattürmchen und Aufschwünge zu meistern (II und kurze Stellen III). In der zweiten Hälfte wird der Grat steiler und die Grattürme werden höher. Passagen die von unten oft recht knackig ausschauen entpuppen sich als traumhafte Genusslängen, wunderbar zusätzlich mit Friends abzusichern. Mehrere Stellen im oberen III. Grat erfordern jedoch schon ein beherzteres zugreifen.



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Die Schlüsselstelle befindet sich fast am Ende des Rothorngrates. Kurz bevor dieser an der Gabel mit dem Normalweg zusammentrifft. Hier geht es für eine Seillänge senkrecht, dafür an guten Griffen ca. 20 Meter nach oben. Der plattige Ausstieg ist dank eines Bohrhaken entschärft. Wir erreichen nach gut 3 Stunden vom Einstieg in den Grat die Gabel, wo von rechts der Normalweg heraufführt.


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Von der Gabel geht es über die Biner-Platte (III - Bohrhaken) auf eine mit Eisenstiften abgesicherte Rippe und weiter auf den Grat. Im Anschluss noch imposant an der Ostseite über der 800 Meter senkrecht abfallenden Wand an einen Felsturm vorbei und in einfacher Kletterei weiter auf den Gipfel (1h von der Gabel). Hier genießen wir erstmal das traumhafte Wetter und den atemberaubenden Ausblick auf diese phantastische Bergwelt mit unzähligen imposanten Gipfeln. Es ist fast eine Verschwendung, dass sie alle hier im Wallis an einem Punkt vereint stehen.



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Bald brechen wir wieder auf. Wir haben noch einiges vor, um über den Nordgrat unser heutiges Tagesziel, die Mountethütte, zu erreichen. Vom Gipfel geht es einen steilen Firngrat hinunter (evtl. 1x abseilen). Es folgt ein kurzer Gegenanstieg auf den anschließenden Felsturm (Besso). Von diesem seilen wir uns insgesamt 4x 20 Meter ab (recht ungemütliche Standplätze). Danach geht es über den Felsgrat weiter. Es folgt die wohl eindrucksvollste Passage, der Esel (Bourrique) über den wir in bester Reitermanier drüberklettern (II). Dahinter seilen wir ein weiteres mal ca. 20 Meter ab.


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Der darauffolgende Turm (Sphinx) wird an der Westflanke umklettert (mehrere Bohrhaken - II). Nun wird der Grat einfacher. Zahlreiche riesige Felsblöcke, die wie kleine Türmchen auf dem Grat stehen werden mal links mal rechts umklettert. Nach einem kurzen Ausflug auf den Firn an der Nordostseite des Grates geht es wieder zurück auf den Felsgrat. Es gilt noch einmal ca. 100 Höhenmeter in einfacher Gratkletterei abzuklettern und man erreicht den langen Firngrat, der von Zinal aus so spektakulär ausschaut, an der Südseite jedoch nach wenigen Metern wieder im Fels endet.


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Nun hat man die größten Schwierigkeiten überwunden. Was folgt ist noch ein langer Abstieg, der sich zunächst über den Glacier du Mountet und anschließend über die Moräne bis hinunter zur Mountethütte noch ordentlich zieht - 1.000 Höhenmeter ab dem Firngrat. Nach etwa 11 Stunden seit unserem Aufbruch von der Rothornhütte haben wir unser Ziel erreicht. Nach 3 unglaublich schönen aber auch unglaublich anstrengenden Prüfungstagen haben wir uns ein großes Bier mehr als verdient ;)


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