• andreas0102

Pflerscher Tribulaun - Normalweg (III)


Pflerscher Tribulaun, Normalweg, Routenverlauf

Der Pflerscher Tribulaun ist ein Gipfel, der am Alpenhauptkamm ganz besonders ins Auge sticht. Seine wilden und steilen Felswände scheinen gar nicht zu den anderen Gipfeln in dieser Gegend zu passen: Solche Berge findet man sonst weiter südöstlich, in den Dolomiten. Und tatsächlich gehört der Tribulaun geologisch gesehen genau in jene Gegend - er besteht aus Hauptdolomit. Eigentlich verdanken die Dolomiten sogar dem Tribulaun ihren Namen, denn der Geologe Déodat Gratet de Dolomieu nahm sich 1789 ausgerechnet von hier Gesteinsproben zur weiteren Untersuchung mit und entdeckte dieses neuartige Sedimentgestein.


Pflerscher Tribulaun, Normalweg, Routenverlauf

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So kommt es also, dass dieses Monument von einem Berg stolz am Alpenhauptkamm steht und den Gipfeln ringsum geradezu die Show stielt. Kein Wunder also, dass bei Bergsteigern und Alpinisen, die den Tribulaun zu Gesicht bekommen unweigerlich der Wunsch entsteht, diesen wunderschönen Gipfel zu besteigen.



Pflerscher Tribulaun, Normalweg, Routenverlauf

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Doch wie es auch für viele seine Artgenossen in den Dolomiten der Fall ist, bleibt der Gipfel den Wanderern vorenthalten und ist nur durch Kletterei bis in den III. Schwierigkeitsgrad zu erreichen. Unübersichtliche Wegfindung und viel loses Geröll machen die Besteigung zu einer anspruchsvollen Tour, die sich nicht viele Bergsteiger zutrauen - so bleibt es eine meist einsame Traumtour für all jene, die das technische Know-How besitzen.



Pflerscher Tribulaun, Normalweg, Routenverlauf

Pflerscher Tribulaun, Normalweg, Routenverlauf

Ausgangspunkt ist ein Parkplatz oberhalb von St. Anton im Pflerschtal, auf halben Weg zur Ochsenhütte (erst der asphaltierten Straße folgen und später über einen Forstweg bis zum Parkplatz). Von hier folgen wir dem Steig Nr. 8 in Richtung Tribulaunhütte. Die aufgehende Herbstsonne taucht die umliegenden Berggipfel des Pflerschtales in ein goldenes Licht und versüßt uns den recht langen Hüttenzusieg ein wenig.


Pflerscher Tribulaun, Normalweg, Routenverlauf

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Bald taucht auch unser heutiges Ziel der Tribulaun mächtig und eindrucksvoll über unseren Köpfen auf. Ca. 10 Minuten vor erreichen der Hütte, dort wo der lange steil ansteigende Weg flach wird und der Tribulaun direkt vor uns steht, verlassen wir den Steig und queren über Geröll zur gut sichtbaren Einstiegsrampe.



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Bevor wir in die etwas bröselige Rampe einsteigen ziehen wir unsere Klettergurte an und - fast wichtiger: setzen uns den Helm auf. Der Tribulaun ist zwar rein klettertechnisch nicht schwieriger als III, jedoch muss man mit Steinschlag (nicht nur von anderen Seilschaften, sondern auch von den Gämsen, die in den wilden Flanken herumspringen als wären es ebene Weiden und dabei den ein oder anderen Stein lostreten) rechnen und sollte sich in brüchigem Gelände sicher bewegen können.


Pflerscher Tribulaun, Normalweg, Routenverlauf

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Bald haben wir die etwas bröselige Einstiegsrampe hinter uns gebracht und erreichen über ein kurzes Gratstück wieder einfaches Gehgelände, das uns bis zu einem weiteren Felsriegel unterhalb des Westsattels führt. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, die allesamt recht ähnlich schwierig sein dürften. Einzig an der letzten Steilstufe vor erreichen des Sattels quert man ein Stück nach rechts und einige Meter oberhalb wieder über ein Band zurück (4-5 Normalhaken).


Pflerscher Tribulaun, Normalweg, Routenverlauf

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Kurz darauf stehen wir im Sattel und folgen dem einfachen Grat in Richtung Osten - der Gipfel scheint hier bereits zum Greifen nahe, doch das täuscht gewaltig. Einige Türmchen werden mal links, mal rechts umgangen. Die Wegfindung ist aufgrund recht deutlicher Pfadspuren nicht so schwierig. Lediglich der Schnee von vor 2 Wochen, der sich hier hartnäckig hält und hartgefroren ist, zwingt uns in die Steigeisen. Es folgen immer wieder Kletterstellen (II) und kurze Aufschwünge die es zu überwinden gilt. Gefolgt von weiteren Querungen (immer in Südöstlicher Richtung) bis man schließlich an einem Drahtseil steht, das den Weg hinein in die Markante und breite Südschlucht in Falllinie des Gipfels markiert.



Pflerscher Tribulaun, Normalweg, Routenverlauf

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Ab hier ist mit Gehgelände erstmal Schluss und es geht Seillänge für Seillänge durch die Schlucht nach oben. Das Drahtseil dient lediglich dazu, eine steile Wandstufe zu überwinden und endet kurz darauf wieder. Der Tribulaun wurde zum Glück nicht zu einem Klettersteig ausgebaut.



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Wir klettern insgesamt 7 Seillängen zu mehr oder weniger genau 25 Metern (III): Zunächst auf gutem Fels 3 Seillängen bis zu einer Schneerinne, die etwas nach rechts wegzieht. Hier folgen 2 kürzere Seillängen. Dabei die Augen offen halten und auf ein Drahtseil in der linken Wand achten. Es markiert die Stelle, in der die Rinne verlassen wird um in weiteren 2 Seillängen auf den Grat zu gelangen.


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Am Grat angekommen wechseln wir wieder aufs kurze Seil und überwinden die letzten Aufschwünge (II) bis bald darauf das Gipfelkreuz nur noch wenige Meter entfernt vor uns auftaucht. Ein wunderbares Gefühl an einem wolkenlosen Traumtag im Oktober allein auf diesem formschönen Gipfel zu stehen. Das genießen wir erstmal in vollen Zügen bevor wir uns entlang der Aufstiegsroute wieder an den Abstieg machen. Im Abstieg sind alle schwierigeren Kletterstellen zum Abseilen eingerichtet (25-30 Meter).


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Tribulaun
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